Ostpreußen als Doktorarbeit

Volkskundlerin Gesa Bierwerth promoviert über die Reisen der Landsleute in ihre Heimat

Gesa Bierwerth, r.

Gesa Bierwerth, r.

Dr. Ostpreußen“ hat sie eine lokale Zeitung ein wenig voreilig genannt. Noch schreibt Gesa Bierwerth aus Anklam an ihrer Promotion. „Zu drei Vierteln sei sie aber bereits fertig“, erzählt die 29-Jährige. Sie studiert im kanadischen Quebec Volkskunde. Kulturerbeforschung ist ihr Schwerpunkt. Die Doktorarbeit beschäftigt sich mit den Reisen der Ostpreußen in ihre Heimat.
Wie sie auf das Thema gekommen ist? Nein, Vorfahren aus dem östlichsten Teil Deutschlands hat sie nicht, berichtet sie. 2005 besuchte sie eher zufällig ein Ostpreußen-Treffen und war überwältigt von der Atmosphäre. Beeindruckend sei es gewesen, „die ganzen Leute zu sehen, und sich vorzustellen, was die alles erlebt haben“. So folgte drei Jahre später erstmals eine Reise in das südliche Ostpreußen. Sie begleitete einen Herrn, der erstmals sein Heimatdorf besuchte. Ein ergreifendes Wechselbad der Gefühle auch für sie selber. Der Besuch rief bei ihrer Reisebegleitung fast im gleichen Augenblick Erinnerungen an eine wundschöne Kindheit wie auch traumatische Fluchterlebnisse wach.
Die junge Wissenschaftlerin begann sich von da an mit dem Thema immer intensiver auseinanderzusetzen, bis es sie es schließlich zum Thema ihrer Promotion wählte. In Kanada ist es übrigens ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte. Wenn sie davon erzählt, müsse sie weit ausholen. Kaum jemand wisse vom Schicksal der Vertriebenen. Hat sie es ihren Zuhörern dann nahegebracht, ist die Erschütterung vor allem über das Ausmaß von Flucht und Vertreibung meist groß.
Eine Bitte an die deutschen Leser der PAZ hat die junge Wissenschaftlerin auch. Gerne würde sie noch weitere schriftliche Aufzeichnungen wie Reiseberichte oder Tagebücher aus der Zeit nach 1945 noch für ihre Forschungsarbeit auswerten. Wer solche Aufzeichnungen, der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchte, schickt sie – am besten als Kopie – an:
Gesa Bierwerth, Erich-Mühsam-Straße 9, 17389 Anklam, oder per E-Mail an: gesabierwerth@gmx.de

von Frank Horns, veröffentlicht am 10.12.2014 in der PAZ

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